Am 1. Oktober fand die internationale Online-Konferenz «Europäische Jugendarbeit in Kriegszeiten: Möglichkeiten für einen deutsch-ukrainischen Jugendaustausch» statt. Sie wurde vom Nationalen Ukrainischen Jugendverband (NUMO) in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Jugenddienst Deutschlands (IJAB) organisiert.
Die Veranstaltung brachte Vertreter von NUMO, IJAB, dem Deutsch-Polnischen Jugendamt, dem Verband der Jugendzentren sowie ukrainische und deutsche Experten der Jugendarbeit zusammen. Die Teilnehmenden beider Länder diskutierten die zentralen Herausforderungen der Jugendpolitik in Kriegszeiten, die Möglichkeiten des internationalen Austauschs und Wege zur Unterstützung ukrainischer Jugendgemeinschaften.
«Krieg ist furchtbar, aber er hat die Kraft der Jugendarbeit gezeigt: Ukrainische Führungskräfte und junge Menschen beweisen jeden Tag, dass diese Tätigkeit selbst unter schwierigsten Bedingungen unverzichtbar ist. Solche Treffen vermitteln ein Gefühl der Einheit und der Zugehörigkeit zu Europa und schlagen Brücken der Solidarität und Unterstützung».
Geschäftsführerin von NUMO
Olena Podobed-Frankivska
IJAB-Direktor Daniel Poli betonte:
«Die ukrainische Jugend lebt unter Sirenengeheul und Beschuss, aber sie handelt weiter. Diese Kraft braucht Verbündete, daher sollten Austauschprogramme Räume der Unterstützung und Solidarität aus Europa schaffen».
Juri Jusytsch, Mitglied des Aufsichtsrats von NUMO, schilderte das Ausmaß des Problems:
«Nach der Invasion haben wir fast die Hälfte unserer jungen Leute verloren: Einige sind geflohen, andere sind unter Besatzung geblieben, und etwa 20 % dienen jetzt in den Streitkräften. Es gibt zwar Jugendzentren und -räte, aber viel zu wenige, um den Bedürfnissen der jungen Menschen gerecht zu werden. Trotzdem sind es die jungen Führungskräfte, die an vorderster Front stehen – sowohl im Krieg als auch in ihren Gemeinden».
NUMO-Operationsdirektorin Veronika Djakowitsch wies auf die kritische Finanzierungslage hin:
«Auf staatlicher Ebene werden pro junger Person etwa 5 Hrywnja pro Jahr bereitgestellt. Zwei Drittel der Gemeinden erhalten überhaupt keine Mittel für Jugendpolitik, was die Jugendförderung auf eine reine Formalität reduziert».
Im Rahmen der Konferenz diskutierten die Teilnehmenden verschiedene Modelle der Jugendarbeit, tauschten Beispiele lokaler und internationaler Partnerschaften aus, analysierten die Struktur der Jugendarbeit in Deutschland und die Erfahrungen trilateraler Austauschprogramme. Besonderes Augenmerk lag auf der Finanzierung von Jugendprogrammen und dem Ausbau von Partnerschaften zwischen ukrainischen und europäischen Organisationen.
Die Konferenz zeigte, dass ukrainische und europäische Partner ähnliche Prioritäten in der Jugendarbeit sehen. Ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen und Chancen ebnet den Weg für eine effektive Zusammenarbeit, die drängende Probleme der Jugendpolitik lösen und Unterstützungsräume für ukrainische Jugendliche in Kriegszeiten schaffen kann.